40. MEDIENTAGE MÜNCHEN 2026: „Own it!“ – Zwischen KI-Revolution, digitaler Souveränität und der Zukunft der Medien
Künstliche Intelligenz verändert die Medienwelt grundlegend. Doch wer kontrolliert künftig die Technologien, Inhalte und Geschäftsmodelle? Die 40. MEDIENTAGE MÜNCHEN vom 21. bis 23. Oktober 2026 stellten mit ihrem Motto „Own it!“ die Fragen nach Verantwortung, technologischer Unabhängigkeit und menschlicher Kreativität in den Mittelpunkt. Besonders spannend: die zweite Welle des AI-Filmmakings, neue KI-Geschäftsmodelle und der zunehmende Einsatz intelligenter KI-Agenten.
Drei Tage voller Innovationen, kontroverser Diskussionen und inspirierender Zukunftsperspektiven: Mehr als 5.000 Besucherinnen und Besucher und rund 350 Referierende trafen sich im House of Communication und an weiteren Veranstaltungsorten im Münchner Werksviertel. Über 100 Sessions, Keynotes und Masterclasses beschäftigten sich mit den tiefgreifenden Veränderungen in Journalismus, Filmproduktion, TV, Streaming, Audio, Werbung und der Creator Economy.
Der zentrale Appell lautete: „Own it!“ – Übernehmt Verantwortung und gestaltet Eure digitale Zukunft selbst!
Denn die Medienbranche steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits eröffnen generative KI-Systeme ungeahnte kreative und wirtschaftliche Möglichkeiten. Andererseits wächst die Abhängigkeit von internationalen Technologieplattformen, Algorithmen und KI-Infrastrukturen.
AI-Film im Fokus: „The Next Frame“ – Die zweite Welle der Generativen KI im Bewegtbild
Ein besonders interessantes Highlight war das Panel „The Next Frame – Die zweite Welle der Generativen KI im Bewegtbild“ im Rahmen des MTM Special AI & MEDIA am 22. Oktober.
Auf dem Podium diskutierten:
• Frederic Boesel, Black Forest Labs
• Tim Greve, seven200 Studios
• Yoko Higuchi-Zitzmann, DREAMKITE Studios
• Maximilian Orgonyi, RTL Deutschland
Moderiert wurde die Runde von Hanna Huge (Serienjunkies.de).
Im Mittelpunkt standen die neuesten Entwicklungen generativer Videomodelle und ihre Auswirkungen auf professionelle Film- und Fernsehproduktionen. KI ist längst nicht mehr nur ein zusätzliches Werkzeug für visuelle Effekte oder Postproduktion. Sie greift zunehmend in die gesamte Wertschöpfungskette ein – von der Stoffentwicklung über die Bildgestaltung und Produktion bis hin zu Schnitt, Sounddesign und Distribution.

Entscheidend ist dabei nicht mehr allein, wie viel Zeit oder Produktionskosten sich einsparen lassen. Vielmehr stellen sich grundsätzliche Fragen: Wie verändert KI das kreative Storytelling? Welche neuen Produktionsmodelle entstehen? Und wer behält die Kontrolle über geistiges Eigentum, kreative Entscheidungen und Vertriebswege?
Aus Sicht des ITVA – Institute of Technology, Visualisation & AI – ist dies eine der spannendsten Entwicklungen unserer Zeit. Generative KI kann völlig neue Formen des Filmemachens ermöglichen und kleineren, unabhängigen Produktionsteams Zugang zu kreativen Möglichkeiten eröffnen, die bislang großen Studios vorbehalten waren. Gleichzeitig bleiben menschliche Fantasie, dramaturgische Kompetenz und künstlerische Qualität entscheidend für überzeugende Geschichten.
AI Summit: Wem gehört die künstliche Intelligenz?
Unter dem Titel „Wem gehört die KI?“ widmete sich der AI Summit am 23. Oktober den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Machtfragen der KI-Revolution. Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring eröffnete den Summit und bezeichnete KI als industrielle Revolution unserer Zeit.
Im Mittelpunkt standen drei wesentliche Herausforderungen: Sicherheit, Kontrolle und Vertrauen.
Die Technologiephilosophin Prof. Shannon Vallor von der University of Edinburgh thematisierte den sogenannten „AI Trust Gap“. Unternehmen und Gesellschaft nutzen KI immer intensiver, während das Vertrauen in die Systeme und ihre Ergebnisse häufig hinter dieser Entwicklung zurückbleibt.
Weitere Diskussionsbeiträge kamen unter anderem von Rebecca Gottwald (Burda Media), Jörg Bienert (Center for Sovereign AI), Andreas Schepers (DFKI), Lutz Mache (Google) und der Europaabgeordneten Alexandra Geese. Besonders interessant war die Frage, wie Europa eigene KI-Kompetenzen, leistungsfähige offene Modelle und unabhängige Infrastrukturen entwickeln kann.
Die Initiative Soofi, die europäische und deutsche Open-Source-KI-Basismodelle voranbringen soll, wurde dabei als ein möglicher Baustein für mehr technologische Souveränität diskutiert.
Für Medienunternehmen bedeutet digitale Souveränität vor allem, Kontrolle über ihre Inhalte, Daten, journalistischen Prozesse und Geschäftsbeziehungen zu behalten.

KI.M: KI-Kompetenz für die Medienbranche
Wie weit ist der praktische KI-Einsatz in deutschen Medienunternehmen tatsächlich fortgeschritten?
Mit dieser Frage beschäftigte sich das KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M) gemeinsam mit dem Media Lab Bayern. In der Session „The State of KI in den Medien – Wie Medienschaffende wirklich mit KI arbeiten – und warum“ beleuchteten Marie Kilg, Johannes Klingebiel und Jim Sengl die praktische Nutzung künstlicher Intelligenz im Medienalltag. Im Zentrum stand eine gemeinsame Untersuchung darüber, welche KI-Anwendungen bereits erfolgreich eingesetzt werden, wo Projekte scheitern und welche Faktoren für eine erfolgreiche Integration entscheidend sind. Gerade für kleinere Medienunternehmen und Kreativagenturen ist dieser praxisorientierte Ansatz wichtig.
Denn nicht jede neue KI-Anwendung führt automatisch zu besseren Ergebnissen. Erfolgreiche Transformation benötigt klare Ziele, qualifizierte Mitarbeitende, geeignete Prozesse und eine realistische Bewertung von Nutzen, Kosten und Risiken. KI-Kompetenz ist damit längst zu einer strategischen Schlüsselqualifikation für die gesamte Medienbranche geworden.
appliedAI und Schaeffler: KI-Agenten verändern die Arbeitswelt
Einen praxisnahen Blick über die Medienbranche hinaus bot die Einladung zum exklusiven Journalisten-Lunch von appliedAI und Schaeffler am 22. Oktober. Dabei stand eine der nächsten großen Entwicklungsstufen der künstlichen Intelligenz im Mittelpunkt: AI Agents – intelligente KI-Agenten, die zunehmend eigenständig komplexe Aufgaben und Arbeitsabläufe unterstützen können.
Dr. Philipp Hartmann, Director of AI Strategy bei appliedAI, sollte einen Überblick über die Entwicklung agentischer KI und den aktuellen Stand der deutschen Wirtschaft geben. Michael Eichinger, Head of PMT Software bei Schaeffler, war eingeladen, anhand eines konkreten Unternehmensbeispiels zu erläutern, wie KI-Agenten bereits eingesetzt werden und zu Effizienzsteigerungen sowie Wettbewerbsvorteilen beitragen können.
Auch der von Lajla Fetic vorgestellte Frontier AI Navigator thematisierte die strategische Orientierung im dynamischen KI-Markt. Für die Medienbranche ergeben sich daraus zahlreiche mögliche Anwendungen: automatisierte Recherche- und Analyseprozesse, Content-Management, intelligente Medienarchive, personalisierte Kommunikation, Marketing-Automation und die Unterstützung komplexer Produktionsworkflows.
Die spannende Entwicklung liegt in der Verbindung von generativer KI mit intelligenten Agentensystemen, die nicht nur Inhalte erstellen, sondern auch mehrstufige Aufgaben koordinieren können.
Neue Geschäftsmodelle: Wem gehören Inhalte, Reichweite und Wertschöpfung?
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der MEDIENTAGE 2026: Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Medienproduktion, sondern auch ihre wirtschaftlichen Grundlagen. Wenn KI-Suchmaschinen und digitale Assistenten Antworten direkt bereitstellen, verändern sich traditionelle Reichweitenmodelle. Wenn KI-Modelle mit journalistischen, audiovisuellen oder künstlerischen Inhalten arbeiten, entstehen neue Fragen nach Lizenzierung, Vergütung und Urheberrechten.
Gleichzeitig eröffnen sich neue Geschäftsmodelle:
• AI-powered Content Production: wirtschaftlich skalierbare Film-, Video- und Medienproduktionen mit hohem kreativem Anspruch.
• Intelligente Medienservices: personalisierte Inhalte, KI-Assistenten und neue digitale Kundenangebote.
• Lizenzmodelle und Content-IP: neue Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Nutzung und zum Schutz hochwertiger Medieninhalte.
• AI-Agenten und automatisierte Workflows: effizientere Produktions- und Geschäftsprozesse.
• Eigene Plattformen und Communities: direkter Zugang zu Zielgruppen und geringere Abhängigkeit von globalen Plattformbetreibern.
Dabei darf technologischer Fortschritt nicht mit einer unkritischen Automatisierung sämtlicher kreativer und redaktioneller Entscheidungen verwechselt werden. Vertrauen, Transparenz, nachvollziehbare Quellen, Datenschutz und die Achtung geistigen Eigentums bleiben zentrale Voraussetzungen für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Kreativität und Verantwortung gehören zusammen
Gerade im Bereich AI-Film zeigt sich, wie eng Innovation und Verantwortung miteinander verbunden sind. Die gleichen Technologien, die beeindruckende virtuelle Filmwelten ermöglichen, können auch täuschend echte Falschinformationen und manipulierte Bewegtbilder erzeugen. Deshalb braucht die Medienbranche nicht nur leistungsfähige KI-Werkzeuge, sondern auch klare Regeln für deren verantwortungsvollen Einsatz. Dazu gehören insbesondere Transparenz über KI-generierte Inhalte, der Schutz persönlicher und kreativer Rechte, verlässliche Qualitätskontrollen sowie die Wahrung menschlicher Entscheidungsfreiheit.
Die zentrale Herausforderung lautet: Wie nutzen wir künstliche Intelligenz als kreativen und wirtschaftlichen Innovationsmotor, ohne dabei unsere Glaubwürdigkeit und Selbstbestimmung zu verlieren?
40 Jahre MEDIENTAGE – Ein Jubiläum mit Blick in die Zukunft
Neben den zahlreichen Fachveranstaltungen boten die MEDIENTAGE MÜNCHEN 2026 auch ein vielfältiges Rahmenprogramm. Dazu gehörten die Nacht der Medien, die Blauer Panther – TV & Streaming Awards, die Internationalen Eyes & Ears Awards, verschiedene Networking-Formate und die traditionellen Riesenrad-Talks.

Eine besondere Freude für den ITVA war auch die Auszeichnung unseres neuen Ehrenmitglieds Marcel Barsotti mit dem Eyes & Ears Inspiration Award 2026 am Vorabend der Konferenz.
Mit seinen internationalen AI-Filmprojekten steht er beispielhaft für die kreative Verbindung von Technologie, Musik und Filmkunst.
ITVA-Fazit: Die Zukunft der Medien selbst gestalten!
Für den ITVA – Institute of Technology, Visualisation & AI haben die 40. MEDIENTAGE MÜNCHEN eindrucksvoll verdeutlicht, dass wir uns mitten in einer umfassenden Transformation der Medien- und Kreativwirtschaft befinden. Künstliche Intelligenz wird bestehende Geschäftsmodelle verändern und gleichzeitig neue wirtschaftliche und künstlerische Möglichkeiten schaffen. Dabei geht es nicht darum, den Menschen durch Technologie zu ersetzen, sondern seine Kreativität, Produktivität und Innovationskraft zu erweitern.
Unser Fazit: Die Gewinner dieser Transformation werden diejenigen sein, die technologische Kompetenz, menschliche Kreativität und unternehmerische Verantwortung intelligent miteinander verbinden.
Der ITVA wird diesen Wandel weiterhin aktiv begleiten – durch Wissenstransfer, Networking, innovative AI-Filmprojekte und den Austausch zwischen Kreativwirtschaft, Technologieunternehmen und Wissenschaft. „Own it!“ ist deshalb mehr als ein Konferenzmotto. Es ist ein Aufruf, die Zukunft unserer Medienwelt selbstbestimmt, kreativ und verantwortungsvoll zu gestalten.
Media. Mind. Machine. – Gemeinsam gestalten wir die Zukunft!
Weitere Informationen:
• MEDIENTAGE MÜNCHEN – Offizielle Website
• The Next Frame – Generative KI im Bewegtbild
• AI Summit – Wem gehört die KI?
• Media Lab Bayern – KI-Kompetenzzentrum Medien
• appliedAI Initiative
• ITVA – Institute of Technology, Visualisation & AI


