Lucas Museum of Narrative Art: George Lucas eröffnet in Los Angeles ein Museum für die Macht der Bilder
A Museum Made of Stories: Am heutigen 22. September 2026 öffnet in Los Angeles ein Museum seine Türen, das Kunst, Film, Comics, Illustration und Popkultur bewusst nicht voneinander trennt. Das von George Lucas und Mellody Hobson gegründete Lucas Museum of Narrative Art widmet sich einer Idee, die ebenso einfach wie weitreichend ist: Menschen erzählen Geschichten seit Jahrtausenden – und Bilder gehören zu ihren mächtigsten Werkzeugen.
Ein Museum für Geschichten – nicht nur für Star Wars
Wer bei George Lucas zuerst an Star Wars und Indiana Jones denkt, liegt natürlich nicht falsch. Doch das Lucas Museum ist weit mehr als ein Filmmuseum. Es will eine neue Perspektive darauf eröffnen, was Kunst sein kann – und welche Rolle visuelles Storytelling für Gesellschaften spielt.
Die Gründungsidee geht auf Lucas’ jahrzehntelange Leidenschaft für erzählende Bilder zurück. Seine Sammlung begann bereits während seiner College-Zeit mit einer Illustration des Comic-Helden Alley Oop. Gemeinsam mit Mellody Hobson entstand daraus über Jahrzehnte eine außergewöhnlich breite Sammlung, die heute mehr als 40.000 Werke umfasst.
Dazu gehören Klassiker der amerikanischen Illustration wie Norman Rockwell, Jessie Willcox Smith, Maxfield Parrish und N. C. Wyeth, Comic-Künstler wie Winsor McCay, Jack Kirby, Frank Frazetta und Robert Crumb sowie Werke von Künstlerinnen und Künstlern wie Frida Kahlo, Jacob Lawrence, Charles White, Robert Colescott, Judith F. Baca und Diego Rivera.
Damit stellt das Museum eine spannende Frage: Warum sollten Comiczeichnungen, Film-Concept-Art oder Buchillustrationen kulturgeschichtlich weniger bedeutend sein als klassische Malerei?
George Lucas fasst den Gedanken dahinter treffend zusammen: Narrative Kunst erzählt die Geschichte einer Gesellschaft – und macht sichtbar, welche gemeinsamen Vorstellungen und Werte sie prägen.
Von Höhlenmalerei bis Science-Fiction
Die Eröffnungsausstellungen zeigen mehr als 1.200 Objekte in über 30 Galerien und spannen einen ungewöhnlich großen Bogen: von antiken Darstellungen und Renaissancekunst über Fotografie und Illustration bis zu Comics, Manga, Fantasy und modernem Kino.
Die Galerien sind dabei weniger nach Epochen oder klassischen kunsthistorischen Kategorien geordnet als nach Geschichten und Erfahrungen. Themen wie Liebe, Familie, Gemeinschaft, Kindheit, Arbeit, Sport, Abenteuer und Fantasie verbinden Werke, die auf den ersten Blick aus völlig unterschiedlichen Welten stammen.
Genau darin liegt das Spannende dieses Museums: Ein Gemälde kann neben einer Comicseite stehen, eine Kinderbuchillustration neben einem Filmkostüm und eine historische Darstellung neben einem Science-Fiction-Entwurf.
Narrative Art wird so nicht als Kunstgattung verstanden, sondern als ein kulturelles Prinzip.
Boris Vallejo und die Kunst der fantastischen Welten
Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz ist Boris Vallejos „The Lavalite World“ von 1977. Das Acrylgemälde entstand ursprünglich als Cover für den fünften Band von Philip José Farmers World of Tiers-Reihe.
Vallejo zeigt die Protagonisten Kickaha und Anana in einer dramatischen Fantasywelt, geprägt von übersteigerter Anatomie, Bewegung und Spannung. Seine intensive Beschäftigung mit Bodybuilding und menschlicher Physiognomie floss unmittelbar in seine Bildsprache ein.
Was früher vielleicht primär als kommerzielle Buchillustration betrachtet wurde, erhält im Lucas Museum denselben Raum zur kunsthistorischen Betrachtung wie klassische Malerei.
Und genau hier wird die Philosophie des Hauses sichtbar: Bilder prägen unsere Vorstellungskraft unabhängig davon, ob wir ihnen in einem Museum, einem Comic, einem Film oder auf einem Buchcover begegnen.
Das Lucas Archive: Filmgeschichte zum Anfassen
Für Filmfans befindet sich im Museum darüber hinaus ein besonderer Schatz: die Lucas Archives.
Die Sammlung umfasst Produktionsmaterialien aus mehr als vier Jahrzehnten Filmgeschichte – darunter Requisiten, Kostüme, Modelle, Illustrationen und Concept Art aus den ersten sechs Star Wars-Filmen sowie den ersten vier Indiana Jones-Abenteuern. Auch Produktionen wie Willow, Red Tails und Howard the Duck sind vertreten. Die 2013 gestiftete Sammlung bildet eine wesentliche Grundlage des Museums.
Zur Eröffnung widmet sich die Ausstellung „Star Wars in Motion“ insbesondere dem Thema Bewegung und Fahrzeugdesign: vom Landspeeder Luke Skywalkers bis zu Fahrzeugen und Fluggeräten aus den ersten sechs Episoden der Saga.
Damit wird Film nicht nur als fertiges Werk betrachtet. Besucher können nachvollziehen, wie eine filmische Welt entsteht – von der ersten Zeichnung über Design und Modellbau bis zum bewegten Bild.

Architektur wie aus einer anderen Welt
Bereits das Gebäude selbst ist Teil der Erzählung.
Der chinesische Architekt Ma Yansong, Gründer des Büros MAD, entwickelte gemeinsam mit Stantec einen futuristisch-organischen Bau, der sich scheinbar über dem Gelände erhebt. Die geschwungene Architektur erinnert je nach Perspektive an ein Raumschiff, eine Wolke oder eine riesige Landschaftsskulptur.
Das fünfstöckige Gebäude umfasst rund 27.800 Quadratmeter, davon etwa 9.300 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Hinzu kommen zwei moderne Kinos, Lern- und Veranstaltungsräume, eine Forschungsbibliothek, Gastronomie und Museumsshop.
Dass das Museum fast wie ein Raumschiff wirkt, dürfte bei einem Projekt von George Lucas kaum unbeabsichtigt erscheinen. Dennoch wollte Ma Yansong ausdrücklich keine Filmkulisse schaffen. Die Form orientiert sich ebenso an Wolken, Licht und den Baumkronen des Exposition Park.
Aus Parkplatz wird Parklandschaft
Bemerkenswert ist auch das Umfeld. Der Museumscampus erstreckt sich über rund 13 Acres – mehr als fünf Hektar – und verwandelt große ehemalige Parkplatzflächen in öffentlich zugängliche Grünräume.
Die Landschaftsarchitektin Mia Lehrer und Studio-MLA integrierten mehr als 200 neue Bäume, trockenheitsresistente und heimische Pflanzen, Wiesen, Wege und schattige Aufenthaltsbereiche. Regenwasser wird für die Bewässerung gesammelt, Solarpaneele erzeugen Energie und auch das Kühlsystem wurde in das nachhaltige Landschaftskonzept einbezogen.
So entsteht nicht nur ein Museum, sondern ein neuer öffentlicher Raum im Exposition Park – in unmittelbarer Nähe zu weiteren großen Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen von Los Angeles.

Warum dieses Museum gerade jetzt spannend ist
Vielleicht kommt das Lucas Museum sogar genau zum richtigen Zeitpunkt.
Noch nie wurden so viele Bilder produziert wie heute. Kino, Streaming, Games, Social Media, Virtual Reality und inzwischen generative KI schaffen täglich neue visuelle Welten. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Fotograf, Illustrator, Filmemacher, Designer und AI Artist zunehmend.
Das Lucas Museum setzt an einem Punkt an, der bei all diesen technologischen Veränderungen leicht übersehen wird: Technologien verändern sich – unser Bedürfnis nach Geschichten bleibt.
Ein Höhlenbild, eine Zeichnung von Norman Rockwell, eine Comicseite von Jack Kirby, ein Fantasygemälde von Boris Vallejo oder ein Concept Art von Ralph McQuarrie erfüllen letztlich eine verwandte Funktion: Sie erschaffen Bilder, durch die Menschen Erfahrungen, Hoffnungen, Ängste und Vorstellungen miteinander teilen können.
Das macht das Lucas Museum of Narrative Art zu weit mehr als einem spektakulären neuen Museum in Los Angeles. Es ist ein Versuch, Visual Storytelling als eine der großen kulturellen Konstanten der Menschheit neu zu definieren.
Und vielleicht ist genau das George Lucas’ eigentliches Vermächtnis: nicht nur selbst Geschichten erzählt zu haben, sondern einen Ort geschaffen zu haben, an dem sichtbar wird, warum Menschen überhaupt Geschichten erzählen.
>> Offizielle Website des Lucas Museum of Narrative Art
Lucas Museum of Narrative Art
One Lucas Plaza, 3800 S Vermont Ave, Los Angeles, California. Das Museum ist seit dem 22. September 2026 für die Öffentlichkeit geöffnet.

